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Zwergelefant
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Als Zwergelefanten bezeichnet man eine Reihe von ĂŒberwiegend ausgestorbenen, kleinwĂŒchsigen RĂŒsseltierformen, die sich im Eiszeitalter auf verschiedenen Inseln entwickelt haben. Sie gehören zumeist den Gattungen Palaeoloxodon und Mammuthus an, es sind aber auch aus anderen RĂŒsseltierlinien verzwergte Vertreter belegt. Zwei heute lebende Formen, der âBorneo-Zwergelefantâ und der afrikanische âZwergelefantâ, sind in ihrer taxonomischen Stellung umstritten.
Contents
âą Literatur
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Ausgestorbene Insel-Zwergelefanten
Als Zwergelefanten oder besser Insel-Zwergelefanten bezeichnet man eine Reihe von kleinwĂŒchsigen Elefanten der Gattungen Palaeoloxodon und Mammuthus. Dabei ist die ZwergwĂŒchsigkeit eine Anpassung an den verkleinerten Lebensraum auf den Inseln, das verringerte Nahrungsangebot und das Fehlen von Raubtieren. Derartige verkleinerte Inselformen kamen als Ergebnis eines als Inselverzwergung bezeichneten Prozesses im Laufe der RĂŒsseltierevolution hĂ€ufiger vor, wie zum Beispiel Stegodon auf den Inseln SĂŒdostasiens. Neben den Elefanten unterlagen auch andere groĂwĂŒchsige SĂ€ugetiere, wie etwa das Flusspferd mit den Arten Hippopotamus melitensis, Hippopotamus pentlandi und Hippopotamus minor auf einigen Mittelmeerinseln, dem Prozess der Inselverzwergung. Solche Populationen sind jedoch anfĂ€llig gegen Ănderungen der Umweltbedingungen wie Naturkatastrophen oder EinflĂŒsse des Menschen. Nach einzelnen Untersuchungen bildet die Isolation der Insel keinen entscheidenden Faktor bei der Verzwergung. Dagegen haben die GröĂe der Insel, die Zeit, die seit der Trennung von der Hauptpopulation vergangen ist und Konkurrenz mit anderen Arten Einfluss auf den Prozess. Teilweise wirken diese Faktoren gegenlĂ€ufig. Auf Inseln mit einer Entfernung von 6 bis 10 km zum Festland erfolgte in der Regel kaum eine Verzwergung, da offensichtlich ein genĂŒgend groĂer genetischer Austausch zwischen den verschiedenen Populationen stattfand.cite-ref-geer-et-al-2016-1-0[1]cite-ref-athanassiou-et-al-2019-2-0[2] FĂŒr den Sizilianischen Zwergelefanten (Palaeoloxodon falconeri) von Sizilien und Malta wurde die Verzwergungsrate bestimmt. Ausgehend von einer Kolonialisierung der Inseln vor rund 70.000 Jahren liegt die Reduktion des Körpergewichts bei rund 18,45 kg und die der Schulterhöhe bei rund 3,41 mm je Generation. Eine frĂŒhere Trennung von der Hauptpopulation vor gut 520.000 Jahren ergibt entsprechend 0,79 kg und 0,15 mm je Generation.cite-ref-3[3]
Inselelefanten des Mittelmeers
Auf einigen Inseln des Mittelmeers lebten im PleistozĂ€n Zwergformen, die sich zu einem GroĂteil aus dem EuropĂ€ischen Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) entwickelten, welcher das Festland besiedelte. Weiterhin kamen, wenn auch seltener, Arten vor, die auf die Gattung Mammuthus zurĂŒckzufĂŒhren sind. Deren Ausgangsformen können einerseits der SĂŒdelefant (Mammuthus meridionalis), andererseits auch das Steppenmammut (Mammuthus trogontherii) sein. AbzĂŒglich gewisser Schwankungen innerhalb der einzelnen Populationen kann fĂŒr diese drei festlĂ€ndischen Arten ein Körpergewicht zwischen 10 und 15 t angegeben werden.cite-ref-4[4]cite-ref-larramendi-2016-5-0[5]
Zwergelefanten
Zu den bekanntesten verzwergten Verwandten des EuropĂ€ischen Waldelefanten gehört unter anderem der Sizilianische Zwergelefant (Palaeoloxodon falconeri) mit einer Schulterhöhe von etwa einem Meter und einem Gewicht von rund 170 kg. Diese Art kam sowohl auf Sizilien als auch auf Malta vor, die beide in den Kaltzeiten des PleistozĂ€ns, als der Meeresspiegel deutlich niedriger lag als heute, einen wohl enger geschlossenen geographischen Raum bildeten. Die Art entstand im mittleren PleistozĂ€n in einer ersten Phase der geographischen Isolierung. Eine zweite Phase der Isolierung fĂŒhrte im spĂ€ten PleistozĂ€n auf Sizilien und Malta zur Bildung der Art Palaeoloxodon mnaidriensis, die etwas weniger als 2 m an der Schulter maĂ und bis zu 2,5 t wog.cite-ref-maempel-6-0[6]cite-ref-palombo-2010-7-0[7] Dagegen ist der ehemals als Maltesischer Zwergelefant beschriebene Elephas melitensis identisch mit Palaeoloxodon mnaidriensis.cite-ref-palombo-2010-7-1[7]cite-ref-8[8] Etwa Ă€hnlich groĂ wie Palaeoloxodon mnaidrensis wurde eine noch unbestimmte Form auf Favignana westlich von Sizilien, deren Alter auf rund 20.000 Jahre vor heute datiert und damit die wahrscheinlich jĂŒngsten Belege von Zwergelefanten im westlichen Mittelmeer reprĂ€sentieren. Die heutige Insel war aber zu diesem Zeitpunkt mit Sizilien verbunden.cite-ref-palombo-2020-9-0[9]
Auch auf den heute teilweise winzigen Ă€gĂ€ischen Inseln des Dodekanes wie Astypalea, Tilos und Rhodos sowie der Kykladen, etwa Delos und Naxos gab es Ă€hnliche Formen. Genauer untersucht ist Palaeoloxodon tiliensis von Tiloscite-ref-theodorou-et-al-2007-10-0[10] mit einer Schulterhöhe von 1,4 m und einem rekonstruierten Gewicht von 650 kg.cite-ref-palombo-2010-7-2[7] Eines der jĂŒngsten datierten Skelette von der Insel Tilos weist ein Alter von 2400 v. Chr. auf,cite-ref-11[11] der letzte Nachweis liegt bei etwa 1300 v. Chr.cite-ref-palombo-2010-7-3[7] Es ist daher möglich, dass bronzezeitliche Kulturen des Mittelmeerraums diesem Zwergelefanten begegnet sind und etwas mit deren Aussterben zu tun hatten; ob Darstellungen auf altĂ€gyptischen Wandmalereien solche Zwergelefanten zeigen, ist bis heute ein Streitpunkt.cite-ref-12[12] Die SchĂ€del der Zwergelefanten könnten im Altertum zur Entstehung der mediterranen Sage von den Zyklopen beigetragen haben, da Elefanten in der Mitte der Stirn eine einzige Nasenöffnung besitzen, die man leicht als Auge missdeuten kann.cite-ref-13[13] Die meisten anderen Formen sind bis jetzt unbenannt, lediglich die Funde von Naxos wurden im Jahr 2014 als Palaeoloxodon lomolinoi beschrieben, das nur 10 % der GröĂe eines EuropĂ€ischen Waldelefanten erreichte.cite-ref-van-der-geer-2014-14-0[14]cite-ref-sen-et-al-2014-15-0[15]cite-ref-sen-2017-16-0[16]cite-ref-athanassiou-et-al-2019-2-1[2] WĂ€hrend der maximalen Vereisungsphasen der Kaltzeiten des jĂŒngeren PleistozĂ€ns lag der Meeresspiegel teilweise rund 100 m tiefer als heute, wodurch einige Inseln der Kykladen eine gröĂere Landmasse bildeten. Diese in Fachpublikationen als âPalĂ€o-Kykladenâ bezeichnete Insel schloss unter anderem Naxos, Paros und Delos ein, auf denen Nachweise von Elefanten gelangen.cite-ref-van-der-geer-2014-14-1[14]
Eine mit nur 250 kg sehr kleine Zwergform stellt Palaeoloxodon cypriotes von Zypern dar. Mehr als 200 Knochenreste wurden unter anderem in der Höhlenruine von Aetokremnos dokumentiert, gemeinsam mit unzĂ€hligen Resten eines verzwergten Flusspferdes. Da die Höhle auch Hinterlassenschaften menschlicher Nutzung barg und die Fundschichten auf rund 9500 v. Chr. datiert sind, gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass die Tiere möglicherweise von den ersten Besiedlern der Insel ausgerottet wurden,cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]cite-ref-palombo-2010-7-4[7] was aber nicht unumstritten ist.cite-ref-zazzo-et-al-2015-19-0[19] Palaeoloxodon xylophagou reprĂ€sentiert eine zweite verzwergte Form auf Zypern. Sie erreichte etwas gröĂere AusmaĂe und datiert in das MittelpleistozĂ€n.cite-ref-athanassiou-et-al-2015-20-0[20] Dem gegenĂŒber war Palaeoloxodon creutzburgi aus dem JungpleistozĂ€n von Kreta weniger stark verzwergt. Die Art erreichte etwa 69 % der KörpergröĂe der Festlandsformen, GewichtsschĂ€tzungen reichen anhand der aufgefundenen Langknochen bis etwa 3 t. Funde von der östlich benachbarten Insel Kasos sind möglicherweise ebenfalls Palaeoloxodon creutzburgi zuzuweisen. Ebenfalls von Kreta wurde Palaeoloxodon chaniensis berichtet.cite-ref-symeonides-et-al-2001-21-0[21] Dessen taxonomische EigenstĂ€ndigkeit ist aber umstritten. Die Form ĂŒbertraf Palaeoloxodon creutzburgi etwas in der GröĂe.cite-ref-palombo-2010-7-5[7]cite-ref-sen-et-al-2014-15-1[15]cite-ref-sen-2017-16-1[16] Von der ionischen Insel Kefalonia im Golf von Patras wurde im Jahr 2018 anhand eines einzelnen Oberkiefers die Art Palaeoloxodon cephallonicus beschrieben. Der Fund datiert in den Ăbergang vom Mittel- zum JungpleistozĂ€n und verweist auf ein Tier mit AusmaĂen vergleichbar zu Palaeoloxodon creutzburgi oder Palaeoloxodon mnaidriensis.cite-ref-theodorou-et-al-2018-22-0[22] Ein Jahr spĂ€ter wurde in einer Publikation angezweifelt, dass es sich bei dem Oberkieferrest um eine auf Kefalonia endemische Art handelt. Die Autoren der Studie ordnen stattdessen den Fund dem EuropĂ€ischen Waldelefanten zu und nehmen eine mit den Festlandsformen ĂŒbereinstimmende KörpergröĂe an. Der EuropĂ€ische Waldelefant ist auf Kefalonia ebenfalls belegt.cite-ref-athanassiou-et-al-2019-2-2[2]
Zwergmammute
Zu den Vertretern der Mammute zĂ€hlt unter anderem das im SpĂ€tpleistozĂ€n auf Sardinien vorkommende Mammuthus lamarmorai, welches etwa 1,5 m groĂ wurde und rund 800 kg wog. Das stark fragmentierte Fundmaterial stammt weitgehend vom westlichen Teil der Insel.cite-ref-palombo-2010-7-6[7]cite-ref-23[23] Ein weiterer Vertreter war das ursprĂŒnglich in seiner taxonomischen Stellung umstrittene, stark verzwergte Kreta-Zwergmammut (Mammuthus creticus) aus dem FrĂŒhpleistozĂ€n,cite-ref-palombo-2010-7-7[7] welches vor einigen Jahren mittels molekulargenetischer Untersuchungen (vergl. aDNA) als tatsĂ€chlich zu den Mammuten zu zĂ€hlende Art identifiziert wurde.cite-ref-24[24] Neueren Untersuchungen zufolge ist diese Mammutart mit einer Schulterhöhe von 1,1 m und einem Gewicht von rund 310 kg die bisher kleinste bekannte Form dieser RĂŒsseltiergattung. Bisher ist mit Kap Maleka auf der Halbinsel Akrotiri nur eine Fundstelle bekannt.cite-ref-25[25]cite-ref-athanassiou-et-al-2019-2-3[2]
Ăbersicht der Nachweise auf Mittelmeer-Inseln
Italien, Malta
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Sardinien | Mammuthus lamarmorai | ( Major , 1883) [ 26 ] | Mittel-/JungpleistozÀn |
| Favignana | Palaeoloxodon sp. | Palombo et al., 2020 [ 9 ] | JungpleistozÀn |
| Malta | Palaeoloxodon falconeri | ( Busk , 1869) [ 27 ] | Mittel-/JungpleistozÀn |
| Malta | Palaeoloxodon mnaidriensis | ( Adams , 1874) [ 28 ] | Mittel-/JungpleistozÀn |
| Sizilien | Palaeoloxodon falconeri | ( Busk , 1869) | Mittel-/JungpleistozÀn |
| Sizilien | Palaeoloxodon mnaidriensis | ( Adams , 1874) | Mittel-/JungpleistozÀn |
Griechenland
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Astypalea | Palaeoloxodon sp. A1 | Athanassiou et al., 2019 [ 2 ] | unklar |
| Kasos | Palaeoloxodon aff. creutzburgi A2 | Sen et al., 2014 [ 15 ] | JungpleistozÀn |
| Rhodos | Palaeoloxodon sp. | Symeonides et al., 1974 | JungpleistozÀn |
| Tilos | Palaeoloxodon tiliensis | ( Theodorou et al. 2007) [ 10 ] | JungpleistozÀn/HolozÀn |
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Kreta | Mammuthus creticus | ( Bate , 1907) [ 29 ] | Alt-/MittelpleistozÀn |
| Kreta | Palaeoloxodon chaniensis A3 | ( Symeonides et al., 2000) [ 30 ] | JungpleistozÀn |
| Kreta | Palaeoloxodon creutzburgi | ( Kuss , 1965) [ 31 ] | Mittel-/JungpleistozÀn |
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Delos | Palaeoloxodon sp. | Vaufrey , 1929 | unklar |
| Naxos | Palaeoloxodon lomolinoi | Van der Geer et al., 2014 [ 14 ] | JungpleistozÀn |
| Paros | Elephantidae indet. A4 | Georgalas , 1929 | unklar |
| Kythnos | Elephantidae indet. | Honea , 1975 | JungpleistozÀn? |
| Milos | Elephantidae indet. | Papp , 1953 | unklar |
| Serifos | Elephantidae indet. | Papp , 1953 | unklar |
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Kefalonia | Palaeoloxodon cephallonicus A5 | ( Theodorou et al., 2018) [ 22 ] | JungpleistozÀn |
Zypern
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Zypern | Palaeoloxodon cypriotes | ( Bate , 1903) [ 32 ] | JungpleistozĂ€n/FrĂŒhholozĂ€n? |
| Zypern | Palaeoloxodon xylophagou | Athanassiou et al., 2015 [ 20 ] | MittelpleistozÀn |
ï»żInselverbundcite-ref-palombo-2020-9-2[9]
ï»żInselverbundcite-ref-van-der-geer-2014-14-3[14]
da Astypalea auch wĂ€hrend des PleistozĂ€ns sehr isoliert war, ist eine fĂŒr die Insel endemische Art naheliegend
mit
P. creutzburgi
(Kreta) eng verwandt aber nicht identisch
taxonomische EigenstÀndigkeit umstritten
nicht nÀher bestimmte Vertreter aus der Familie der Elefanten; ob diese verzwergt waren, ist unbekannt
die Form ist umstritten
Inselelefanten im Arktischen Ozean
Lange Zeit wurde angenommen, dass das Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) eine verzwergte Inselvariante auf der sibirischen Wrangelinsel im Arktischen Ozean ausgebildet hatte. Dort ĂŒberlebte die letzte Population dieser Art noch bis vor etwa 3700 Jahren, also lange, nachdem das Mammut auf dem Festland ausgestorben war. Erste Berechnungen an Zahnfunden sprachen den Tieren eine Schulterhöhe von rund 1,8 m bei einem Gewicht von gut 2 t zu.cite-ref-lister-1993-33-0[33] Analysen des Körperskeletts erbrachte keine Abweichungen von den spĂ€tpleistozĂ€nen Tieren des Festlandes, fĂŒr die eine Körperhöhe von rund 2,2 m rekonstruierbar ist.cite-ref-vartanyan-et-al-2008-34-0[34] Auch fĂŒr die Vertreter des Wollhaarmammuts auf den Pribilof-Inseln vor der KĂŒste Alaskas, die ebenfalls erst im HolozĂ€n, aber etwas frĂŒher als die Mammuts der Wrangel-Insel ausgerottet wurden, wird eine frĂŒhe Phase der Inselverzwergung postuliert.cite-ref-enk-35-0[35]
Inselelefanten im Pazifischen Ozean
Auf den Kanalinseln vor der KĂŒste Kaliforniens lebte im JungpleistozĂ€n Mammuthus exilis. Diese Zwergform wurde zwischen 1,2 und 1,8 m groĂ und geht vermutlich auf das PrĂ€riemammut (Mammuthus columbi) des nordamerikanischen Festlandes zurĂŒck. FĂŒr die Zwergform wird ein Gewicht von rund 1,35 t rekonstruiert, die Ausgangsform hingegen wog zwischen 9,5 und 12,5 t. Beide Mammutarten starben am Ende des PleistozĂ€ns aus.cite-ref-36[36]cite-ref-larramendi-2016-5-1[5]
Inselelefanten des SĂŒdostasiatischen Archipels
Zwergelefanten
Von Sulawesi, dem frĂŒheren Celebes, wurde eine Zwergelefantenart aus dem Alt- bis MittelpleistozĂ€n SĂŒdostasiens berichtet. UrsprĂŒnglich als Elephas celebensis ausgewiesen, ordnen sie einige Wissenschaftler heute aufgrund des Zahnbaus zur eigenstĂ€ndigen Gattung Stegoloxodon. Zu dieser gehören zusĂ€tzlich einige Funde von Java.cite-ref-bergh-1999-37-0[37]cite-ref-38[38] Ein einziger Zahn von Luzon, der im Jahr 1956 als Elephas beyeri vorgestellt wurde,cite-ref-koenigswald-1956-39-0[39] ist in seinen tatsĂ€chlichen VerwandtschaftsverhĂ€ltnissen unsicher und gehört entweder in die Linie des Asiatischen Elefanten oder zu Palaeoloxodon.cite-ref-geer-et-al-2016-1-1[1]
Zwergstegodonten
Daneben sind auf verschiedenen Inseln der Region auch verzwergte Verwandte der Elefanten belegt, die zu den Stegodonten gezĂ€hlt werden. Zeitgleich zu Stegoloxodon bewohnte so unter anderem Stegodon sompoensis die Insel Sulawesi. Die Form brachte wohl zwischen 350 und 950 kg auf die Waage.cite-ref-bergh-1999-37-1[37] Auf Flores erschien im ausgehenden AltpleistozĂ€n vor rund 900.000 Jahren Stegodon sondaari, das mit einem ein Gewicht von rund 300 kg der bislang kleinste ReprĂ€sentant der Stegodonten ist. Benannt wurde die Form im Jahr 1999 unter Berufung auf einen Unterkiefer und zugehörige obere ZĂ€hne. Im Ăbergang zum MittelpleistozĂ€n vor 850.000 bis 700.000 Jahren wurde die Art durch Stegodon florensis ersetzt. Diese Form war mit rund 850 kg merklich gröĂer. Im weiteren Verlauf reduzierte sich ihre GröĂe aber offensichtlich wieder, da Funde aus dem JungpleistozĂ€n auf rund 30 % kleinere Individuen verweisen. Sie starb dann aber in einem Zeitraum von vor 95.000 bis 12.000 Jahren aus.cite-ref-bergh-1999-37-2[37]cite-ref-40[40]cite-ref-bergh-et-al-2008-41-0[41]cite-ref-palombo-2010-7-8[7] Die sĂŒdlich von Flores gelegene Insel Sumba barg gleichfalls die Reste eines extrem verzwergten Stegodonten, der als Stegodon sumbaensis bezeichnet wird. Es sind mehrere Unterkiefer dokumentiert worden, deren Altersstellung vergleichbar ist zu der von Stegodon sondaari.cite-ref-42[42] Etwa zeitgleich zu den frĂŒhen Funden auf Flores trat auf Java mit Stegodon trigonocephalus eine verzwergte Form auf, die zwischen 1000 und 1700 kg schwer wurde. Von ihr ist ein recht umfangreiches Fossilinventar unter anderem von der bedeutenden Fundstelle von Trinil im Osten von Java ĂŒberliefert. Es gehört der alt- bis mittelpleistozĂ€nen Kedung-Brubus-Fauna an. Die Art war dann noch in der nachfolgenden Ngandong-Fauna anwesend. Die Insel beherbergte aber verschiedene kleine Stegodontenformen, die wohl aufgrund der zerklĂŒfteten Landschaft entstanden waren. So ist bei Sambungmacan, ebenfalls im östlichen Java gelegen, mit Stegodon hypsilophus eine weitere Art nachgewiesen, belegt ĂŒber mehrere ZĂ€hne und Unterkiefer. Ihr Alter entspricht weitgehend den Funden von Trinil.cite-ref-hooijer-1954-43-0[43]cite-ref-44[44]cite-ref-bergh-et-al-2008-41-1[41] Eine weitere Zwergform bildete sich mit Stegodon timorensis auf Timor heraus. Erste Funde wurden bereits 1964 entdeckt,cite-ref-45[45] die Art erhielt fĂŒnf Jahre spĂ€ter ihren Namen basierend auf einem einzelnen Zahn. Heute sind zahlreiche Funde von mehreren Fundstellen belegt, die auf ein Tier etwas gröĂer als Stegodon sondaari schlieĂen lassen. Das Alter der Funde liegt bei 168.000 bis 130.000 Jahren vor heute.cite-ref-46[46]cite-ref-bergh-1999-37-3[37] Von Mindanao stammen Zahnfunde eines kleinen Vertreters der Stegodonten, der im Jahr 1890 zur Art Stegodon mindanensis gestellt wurde.cite-ref-naumann-1890-47-0[47] Wiederum einzelne ZĂ€hne von Luzon werden mit der Zwergform Stegodon luzonensis verbunden.cite-ref-koenigswald-1956-39-1[39]cite-ref-bergh-1999-37-4[37] Festlandsvertreter der Gattung Stegodon, die hochvariable Angehörige vereint, konnten ein Körpergewicht von bis zu 12,7 t erreichen.cite-ref-larramendi-2016-5-2[5]
Ăbersicht der Nachweise auf sĂŒdostasiatischen Inseln
Indonesien
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Java | Stegodon hypsilophus | Hooijer , 1954 [ 43 ] | AltpleistozÀn |
| Java | Stegodon trigonocephalus | Martin , 1887 [ 48 ] | Alt-/MittelpleistozÀn |
| Java | Stegoloxodon indonesicus | Kretzoi , 1950 [ 49 ] | AltpleistozÀn |
| Sulawesi | Stegodon sompoensis | Hooijer , 1964 [ 50 ] | Alt-/MittelpleistozÀn |
| Sulawesi | Stegoloxodon celebensis B1 | ( Hooijer , 1949) [ 51 ] | Alt-/MittelpleistozÀn |
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Flores | Stegodon florensis | Hooijer , 1957 [ 52 ] | Mittel-/JungpleistozÀn |
| Flores | Stegodon sondaari | van den Bergh , 1999 [ 37 ] | AltpleistozÀn |
| Flores | Stegodon cf. sondaari | van den Bergh , 1999 [ 37 ] | AltpleistozÀn |
| Sumba | Stegodon sumbaensis | Sartono , 1979 | AltpleistozÀn |
| Timor | Stegodon timorensis | Sartono , 1969 | MittelpleistozÀn |
Philippinen
| Insel | Taxon | Autor | Datierung |
|---|---|---|---|
| Luzon | Stegodon luzonensis | von Koenigswald , 1956 [ 39 ] | PleistozÀn |
| Luzon | Stegodon cf. trigonocephalus | von Koenigswald , 1956 [ 39 ] | PleistozÀn |
| Luzon | âElephasâ beyeri B2 | von Koenigswald , 1956 [ 39 ] | unklar |
| Mindanao | Stegodon mindanensis | Naumann , 1890 [ 47 ] | PleistozÀn |
unter dem Gattungsnamen
Archidiskodon
eingefĂŒhrt, spĂ€ter zu
Elephas
verschoben
unklar, ob zu
Elephas
oder
Palaeoloxodon
gehörig
Heutige âZwergelefantenâ
âBorneo-Zwergelefantâ
Der auf Borneo lebende âBorneo-Zwergelefantâ (Elephas maximus borneensis) ist eine angenommene Unterart des Asiatischen Elefanten (Elephas maximus). Ihr systematischer Status ist unsicher; wĂ€hrend lange ein Einschleppen domestizierter Elefanten durch den Menschen vermutet wurde, legen neuere Untersuchungen nahe, dass es sich um eine endemische Population handelt. In der KörpergröĂe unterscheiden sie sich kaum von ihren Verwandten des sĂŒdostasiatischen Festlandes.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54]
Afrikanischer âZwergelefantâ
Im Jahr 1906 beschrieb Theophil Noack ein kleines Individuum eines Afrikanischen Elefanten unter der wissenschaftlichen Bezeichnung Elephas africanus pumilio.cite-ref-55[55] Das Tier lebte im Hamburger Tierpark, stammte aber ursprĂŒnglich aus dem Gebiet der heutigen Republik Kongo. Die geringe GröĂe des Tieres veranlasste Noack, seine neue Form als âZwergelefantenâ anzusehen. SpĂ€ter wurde der âZwergelefantâ in Loxodonta pumilio umbenannt. Ăber seine tatsĂ€chliche Existenz wurde lange Zeit eine kontroverse Debatte gefĂŒhrt. BefĂŒrwortern zufolge lebte der âZwergelefantâ in den tropischen RegenwĂ€ldern des zentralen Afrikas und teilte sich dort seinen Lebensraum mit dem Waldelefanten (Loxodonta cyclotis).cite-ref-56[56]cite-ref-57[57] UnterstĂŒtzt wurde dies durch die gelegentliche Sichtung kleinerer Tiere mit ausgebildeten StoĂzĂ€hnen. Gegner dagegen lehnten seine Existenz ab und begrĂŒndeten dies unter anderem damit, dass das Typusexemplar von Loxodonta pumilio zu seinen Lebenszeiten noch weiter gewachsen war und zu seinem Todeszeitpunkt eine Schulterhöhe von ĂŒber 2 m aufwies. Sie sahen es als Jungtier des Waldelefanten an.cite-ref-58[58] In der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert erbrachten durchgefĂŒhrte anatomische Vergleiche des Waldelefanten mit dem âZwergelefantenâ keine Unterschiede zwischen den beiden Formen. Ebenso zeigten molekulargenetische Studien, dass der âZwergelefantâ identisch mit dem Waldelefanten ist. Heute sehen Forscher die gelegentlichen Sichtungen kleinerer Elefanten im Kongobecken als verwaiste Jungtiere oder als pathologisch verzwergte Individuen des Waldelefanten an.cite-ref-59[59]cite-ref-60[60]
Literatur
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Einzelnachweise
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ΌΔÏÎœÎŻÎŽÎ·Ï, Î. ÎΔοΎÏÏÎżÏ
und Î. ÎÎčαΜΜÏÏÎżÏ
λοÏ: ΀ο ΜÎÎż Î”ÎŻÎŽÎżÏ Elephas chaniensis n. sp. ÏÏÎčÏ Ï
ÏοΞαÏÎŹÏÏÎčÎ”Ï ÏλΔÎčÏÏÎżÎșαÎčΜÎčÎșÎÏ Î±ÏοΞÎÏΔÎčÏ ÏÎżÏ
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Î§Î±ÎœÎŻÏΜ ÎÏÎźÏηÏ. ÎΔλÏÎŻÎżÎœ ÎλληΜÎčÎșÎźÏ ÎŁÏηλαÎčολογÎčÎșÎźÏ ÎÏαÎčÏÎŻÎ±Ï 22, 2000, S. 95â108 ([5])
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